Mexiko Gruppe Dresden & promovio


Gespräch mit sozialen Aktivist/Innen aus Oaxaca und Atenco
August 10, 2009, 9:41 vormittags
Einsortiert unter: Atenco, Oaxaca, Vorträge

Die Tageszeitung Junge Welt hat vor kurzem ein Gespräch mit den rundreisenden AktivistInnen aus Mexiko geführt. Ein Nachtrag zur Vortragsreihe:

»Die sozialen Proteste werden wieder stärker«

Mexikos Polizei foltert und schüchtert ein. Gespräch mit Catalina Gonzales Rosas, Trinidad Ramirez Velazquez und Rubén Valencia Núñez

Interview: Anna Dobelmann

Sie sind zur Zeit auf Einladung des Ökumenischen Büros München auf einer Informationstour in Deutschland. Worum geht es Ihnen dabei?

Ramirez Velazquez: Wir wollen auf die Kriminalisierung sozialer Proteste in Mexiko aufmerksam machen. Zwölf Aktivisten sind noch immer in Haft, weil sie im Jahr 2006 den Widerstand angeführt haben sollen, der sich gegen die Vertreibung der Blumenhändlerinnen von Texcoco richtete. Verurteilt wurden sie wegen versuchter Entführung.

Was genau ist damals in Texcoco passiert?

Ramirez Velazquez: Am Mittwoch, dem 3. Mai 2006, gegen sieben Uhr hielt die Staatspolizei etwa 60 Blumenhändlerinnen davon ab, ihre Verkaufsstände auf dem Marktplatz von Texcoco, etwa 30 Kilometer östlich von Mexiko-Stadt aufzustellen. Damit brachen die Polizisten eine Vereinbarung mit dem Bürgermeister von Texcoco. Doch die Händlerinnen wehrten sich und baten zudem die Bewohner des benachbarten Ortes San Salvador Atenco um Hilfe. Die besetzten die Straße, die von ihrer Stadt nach Texcoco führt. Daraufhin rückten Hunderte Polizisten an, um die Blockade aufzulösen. Die Demonstranten nahmen elf Polizisten als Geiseln, übergaben sie aber noch am selben Tag dem Roten Kreuz. Insgesamt wurden bei den Protesten mehr als 50 Personen verletzt und 100 festgenommen. Ein 14jähriger Junge wurde am Nachmittag erschossen.

Wie sind Sie davon betroffen?

Ramirez Velazquez: Sowohl mein Ehemann als auch der von Catalina wurden zu langjährigen Haftstrafen, nämlich zu 112 bzw. 67 Jahren Hochsicherheitsgefängnis verurteilt.

Wie sind die Haftbedingungen Ihrer Ehemänner?

Gonzales Rosas: Meinen Mann Felipe behandeln sie wie einen Schwerverbrecher. Als sie ihn festnahmen, wurde er zusammen mit einem Hund in eine Dunkelzelle gesperrt. Sie sagten ihm, wenn er sich bewegt, wird der Hund ihn beißen. Zwei Tage lang bekam er nichts zu essen. Später zogen sie ihm eine Kapuze über und schlugen ihn. Auch andere inhaftierte Aktivisten werden geschlagen. Ärztliche Versorgung bekommen sie nur nach mehrfacher Nachfrage.

Auch in Oaxaca, im Süden Mexikos, geht der Staat hart gegen soziale Bewegungen vor. Wie sieht denn dort der Alltag der Menschen aus?

Valencia Núñez: Aktivisten werden auf der Straße überfallen und mißhandelt. Die Regierung versucht die Bevölkerung einzuschüchtern. Es fahren ständig Polizeitransporter durch die Straßen, ihre Besatzungen zielen mit Maschienengewehren auf Passanten; Helikopter kreisen über der Stadt. Außerdem patroulliert das Militär, obwohl die Verfassung den Einsatz der Armee im Inneren verbietet. Die Regierung bezahlt Jugendgangs, um Mitglieder der APPO zu ermorden. Fünf Jugendliche wurden schon auf diese Weise ermordet.

Kann man überhaupt etwas gegen diese massive Einschüchterung tun?

Valencia Núñez: Nachdem 2006 die Aufstände niedergeschlagen wurden, waren die Menschen natürlich vollkommen gelähmt. Doch mittlerweile werden die sozialen Proteste wieder stärker.

Welche Rolle spielen die Medien in dieser Auseinandersetzung?

Valencia Núñez: Die Medienlandschaft in Mexiko ist sehr stark monopolisiert. Die meisten stellen Aktivisten als Kriminelle dar. So geben sie uns die Schuld an der ökonomischen Krise und der Instabilität des Landes. Die einzige Möglichkeit, unsere Themen und Anliegen zu verbreiten, sind die lokalen Radios der Bewegung.

Weitere Informationen: www.oeku-buero.de (deutsch); www.atencolibertadyjusticia.com (spanisch)



Vorträge zur Repression auch in Leipzig
Juni 27, 2009, 9:15 nachmittags
Einsortiert unter: Atenco, Oaxaca, Veranstaltungen, Vorträge

Die Vorträge am 8. und 9. Juli finden auch in Leipzig statt:

Vortrag zur aktuellen Situation in Atenco:
Mi, 8. Juli 2009, 18.00, Moritzbastei, Ratstonne, Universitätsstraße 9

Vortrag zur aktuellen Situation in Oaxaca:
9. Juli 2009, 19.00, Moritzbastei, Ratstonne, Universitätsstraße 9

Lokale Veranstalter sind die Ya Basta! Gruppe Leipzig, die Mittelamerika-Initiative Leipzig und promovio. e.V.



Vorträge zur Repression sozialen Protestes, 8. und 9. Juli 2009
Juni 23, 2009, 9:34 nachmittags
Einsortiert unter: Atenco, Oaxaca, Veranstaltungen, Vorträge

Im Juli veranstalten wir gleich zwei Vorträge zur Kriminalisierung sozialer Bewegungen. Vielerorts in Mexiko werden friedliche Proteste gegen wirtschaftliche Großprojekte und staatliche Korruption gewaltsam niedergeschlagen oder AktivistInnen werden durch illegale Verhftungen und unfaire Gerichtsverfahren am legitimen Protest gehindert. Am 8. und 9. Juli haben wir insgesamt 3 ReferentInnen aus Mexiko zu Gast in Dresden, die von der Situation in ihren Bundesstaaten berichten:

Achtung: 2 verschiedene Veranstaltungen! Siehe auch unten!

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Vortrag: Repression sozialen Protestes in Oaxaca

Wann? Mi, 8. Juli 2009, 20:00

Wo? veränderbar, Görlitzer Str. 42 (Hinterhaus), Dresden-Neustadt, nähe Alaunpark

Wer? Ruben Valencia Nunez (VOCAL/APPO)

2006 weitet sich ein Lehrerstreik für bessere Schulbedingungen im südmexikanischen Oaxaca zu einem breiten Protest gegen die von Armut geprägten Lebensbedingungen in dem Bundesstaat. Als die Sicherheitskräfte mit gewaltsamer Repression reagieren, eskaliert der Konflikt. Über Monate kommt es zu willkürlichen Verhaftungen, Folter und Toten durch Militär und Polizei. Auch drei Jahre später kommt es noch immer zu Repression und Übergriffen. Rubén Valencia von der Organisation VOCAL wird nach der Veröffentlichung von Demonstrationsfotos überfallen und niedergestochen – nur eines von vielen Beispielen, wie legitimer Protest abgeschreckt werden soll. Beim Vortrag erzählt er von der Situation in Oaxaca, seiner Arbeit im Kulturprojekt “La Casota” und den politischen und wirtschaftlichen
Hintergründen der Repression.

Sprache: Spanisch mit Übersetzung – Eintritt frei! – Diskussionen willkommen!

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Vortrag: Kriminalisierung sozialen Protestes in Atenco

Wann? Do, 9. Juli 2009, 19:00

Wo? Kulturrathaus, Königstr. 15, Dresden-Neustadt, nähe Albertplatz

Wer? Catalina Gonzalez Rosas und Trini Ramirez (Frente de Pueblos
en Defensa de la Tierra
)

Catalina Gonzalez Rosas und Trini Ramirez von der Organisation “Frente de Pueblos en Defensa de la Tierra” sprechen über die
Kriminalisierung sozialer Proteste in Atenco, Mexiko. Nach Protesten gegen einen Flughafenbau im Frühjahr 2006 reagiert die Polizei mit gewaltsamer Repression. Es kommt zu Vergewaltigungen, Folter und zahlreichen gesetzeswidrigen Verhaftungen von gewaltlos Protestierenden. Noch immer sitzen 12 Personen in Haft – teilweise in Hochsicherheitsgefängnissen. Die Lebensgefährten der beiden
Referentinnen wurden zu 112 bzw. 67 Jahren Haft verurteilt, zur Zeit ohne Hoffnung auf eine Revision der Verfahren. Bei ihrem Vortrag erzählen die beiden von ihren Erfahrungen, ihren Bemühungen um eine Freilassung der Gefangenen und wie in Mexiko friedlicher sozialer Protest immer wieder kriminalisiert wird, um betroffene Bevölkerungsgruppen an der Einflussnahme zu hindern.

Sprache: Spanisch mit Übersetzung – Eintritt frei! – Diskussionen willkommen!

Beide Veranstaltungen in Kooperation mit dem ENS und dem Öku-Büro.

_web-hands01-02bFlyergestaltung: Daniel Kasten/dkm design




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